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Markus Schneider

Interview: Markus Schneider

Batin Mumcu - www.berlinerweinpilot.de

Foto: Hanna Maluck

„Einfach mal nen Schoppe-Riesling nen Schoppe-Riesling sein lassen.“

Auf die Schnelle fällt mir spontan kein Winzer in Deutschland ein, dessen Weine so kontrovers diskutiert werden wie die von Markus Schneider aus Ellerstadt in der Pfalz. Im Gegenzug dazu fallen mir einige Winzer in Deutschland ein, die nun genau das Marketing-Konzept verfolgen, das Markus Schneider bereits vor über zehn Jahren erfolgreich umgesetzt hat.

Wer hätte vor zehn bis fünfzehn Jahren gedacht, dass mediterrane Rebsorten wie Merlot, Cabernet, Syrah und Sauvignon Blanc „Made in Germany“ klimabedingt erfolgreich kultiviert werden können und dazu noch schmecken?!

Ich traf den „Kaitui-Meister“ Markus Schneider im Hotel de Rome in Berlin, zum BBQ-Menü und der Big Bottle-Verkostung seiner aktuellen Jahrgänge und meiner Tohuwabohu-Premiere Made in Südafrika. Viel Spaß beim Lesen und los geht´s …

 

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„Wenn die Qualität stimmt, öffnet sie alle Türen.“

Weinpilot: Der Strukturwandel hält an, die Zahl der Weinbaubetriebe in Deutschland sinkt kontinuierlich. Gleichzeitig steigt die Fläche der einzelnen Betriebe deutlich. Worin liegen die Ursachen? Ist das eine Entwicklung, die Sie nachvollziehen und befürworten können?
Markus Schneider: Das war absehbar, dass das so passiert. Früher hat man mit 3-4 ha. Weinbau „leben können“. Nicht wunderbar leben können, sondern bescheiden leben. Die jetzige Weinbau-Generation sagt sich: „So wie unsere Eltern und Großeltern davon gelebt haben, das können wir so nicht machen.“ Die Anforderungen und Ansprüche sind gestiegen. Es ist ein ganz normaler Entwicklungsprozess im Obstbau, Gemüsebau und Weinbau. Diese Entwicklung ist in der ganzen Landwirtschaft zu beobachten. Bei den Gemüseflächen ist das noch viel extremer. Wogegen im Weinbau 10-15 ha. große Betriebe sogar eine sehr gute Überlebenschance haben.
Weinpilot: Was raten Sie einem Familienbetrieb mit unter 10 ha. Rebfläche zum langfristigen Überleben?
Markus Schneider: Wenn die Qualität stimmt, öffnet sie alle Türen. Das funktioniert schon, es geht nur über Qualität und Preise. Ansonsten kann man die Kosten nicht decken.

„Mein Kopf sagt mir, wenn es brennt, dann brennt´s.“

Weinpilot: Sind Pflanzenschutzmittel, diverse Fungizide und Pestizide im konventionellen Weinbau gesundheitlich für Produzenten und Endverbraucher vielleicht noch viel gefährlicher als allgemein angenommen?
Markus Schneider: Mit Bedacht auf die Umwelt und die eigene Gesundheit ist es selbstverständlich ganz wichtig, nachhaltig zu denken. Das hat aber auch viel mit Risiko zu tun. Ich bin da auch meiner Familie gegenüber verpflichtet. Wir sind weder konventionell noch Bio, weil wir nicht Bio zertifiziert sind. Ich denke Bio in jeder Phase. Aber mein Kopf sagt mir, wenn es brennt, dann brennt´s. Und ich glaube, diese Diskussion, die in der Branche geführt wird, ist total hinderlich. Wir halten seit 2001 die Kunstdünger komplett aus dem Weinberg raus. Wir arbeiten seit dem Zeitpunkt rein organisch und seit 2009 zusätzlich mit Pferdemist. Die Weinberge sind dadurch viel vitaler. Was wir nicht schaffen, ist, komplett auf Fungizide zu verzichten. Das funktioniert nicht.
Die Zustände wie Anfang der 90er, als ich mit dem Weinbau angefangen habe, sind überhaupt nicht mehr vergleichbar. Wir sind heute sehr nah an der perfekten Linie, halten uns aber eine Hintertür offen. Ich würde mich auch nie Bio zertifizieren lassen, um nicht der Willkür vom Bio-Verband ausgesetzt zu sein. Durch Reglementierungen werden Bio zertifizierte Winzer zum Kupfer spritzen gezwungen, weil nichts anderes mehr zur Verfügung steht.

 

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„Deswegen bin ich heute da, wo ich jetzt bin.“

Weinpilot: Naturwein, Orangewein, Klassifizierungen der Prädikatsweine, Allgemeine Weingesetze und Reglementierungen, die Wahl der Deutschen Weinkönigin etc. Welche aktuellen Themen der Weinbranche beschäftigen Sie am meisten?
Markus Schneider: Was da alles themenmäßig abläuft, interessiert mich gar nicht. Sie werden in einer Diskussion von mir nie etwas zum Thema „Spontanvergärung“ hören. An der Mosel werden wir zum ersten Jahrgang 2017 nur Spontanvergärung machen, weil es da funktioniert. Sie werden von mir nie eine Diskussion über „Biodynamie“ hören. Das ist für mich wie mit Politik und Religion – da halte ich mich heraus. Deswegen bin ich heute da, wo ich jetzt bin, weil ich mich nie darauf eingelassen habe.
Mich beschäftigt Tag und Nacht die Qualität meiner Weine. Ich liebe den November, da sind die Trauben runter, da kann Frost kommen oder es tagelang regnen, hageln und schneien. Ich genieße es, ab Anfang November nicht mehr in den Himmel schauen zu müssen. Ich blicke erst wieder auf den Wetterbericht an Heilig Abend, ob es weiß wird oder nicht, oder wo Schnee liegt. Alles andere ist bla bla bla und Politik.
Weinpilot: Dann ist eine Mitgliedschaft in einem Verband oder Verein wohl auch kein Thema für Sie?
Markus Schneider: GG Großes Gewächs, Erste Lage, Große Lage, Erstes Gewächs etc. – es blickt kein Mensch mehr durch. Wir haben zwei Grand Cru Lagen, mit „Herrenberg“ und „Saumagen“. Ich schreibe das auf das Etikett und bin happy damit. Ich kann mein Ding machen wie ich es will. Das ist purer Luxus. Kein Verein oder Verband dieser Welt! Fußballverein ja, aber mit Kaiserslautern haben wir ein schweres Thema zurzeit in der Pfalz. Beim Fußball, da gehen die Emotionen hoch, das liebe ich.

„Einfach mal nen Schoppe-Riesling nen Schoppe-Riesling sein lassen.“

Weinpilot: Apropos Fußball – es gibt doch diese philosophische Aussage von Oliver Kahn bezüglich des Erfolgs: „Ganz nach oben zu kommen, ist relativ leicht im Vergleich zum langfristigen Oben bleiben.“ Sie wirken auf mich relativ bodenständig und haben eine gewisse natürliche Bescheidenheit, wie ich das als gebürtiger Kurpfälzer nur zu gut kenne. Ist das das Geheimnis für Ihren Erfolg?
Markus Schneider: Ganz schwer! Die Motivation, oben zu bleiben und immer wieder von neuem anzugreifen und dann noch im Einklang mit der Natur zu leben, das kommt ja noch dazu. Das mit dem Erfolg kann ich nur selbst vermasseln.
Erfolgsgeheimnis??? Keine Ahnung. Ich gehe mit viel Demut durchs Leben. Eine gewisse Lockerheit an den Tag legen und nicht alles so schwer nehmen und einfach mal nen Schoppe-Riesling nen Schoppe-Riesling sein lassen und Spaß dabei haben, den auch mal zu genießen. Vielleicht ist das mein Erfolgsgeheimnis!?
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„Marketing bestimmt nicht mehr so mein Leben wie früher.“

Weinpilot: Sie haben sehr früh verstanden, mit Marketing und PR aus einem Familien-Weingut eine Kultmarke zu etablieren. Müssen Sie jetzt noch Marketing Anstrengungen unternehmen oder verkaufen sich Ihre Weine von selbst?
Markus Schneider: Marketing bestimmt nicht mehr so mein Leben wie früher. Früher hab ich viel mehr gesucht … „was kann ich noch machen?“ Ich bin heute noch offen für Aktionen, aber das Ding steht, und ich mache gar nicht mehr viel. Ich hab zum Beispiel gar keine Visitenkarten mehr dabei. Meine Webseite hat eine Agentur gemacht und alles andere mit sozialen Netzwerken (Facebook, Instagram) machen wir selbst. Ich bezeichne es jetzt als gelebtes Marketing.
Weinpilot: „Wer wagt, gewinnt“ – von 1 ha. Familienbetrieb auf 92 ha. Kultwein in ca. zwanzig Jahren. Eine filmreife Entwicklung! Ihre Weine sind teilweise bereits schon vor Veröffentlichung ausverkauft (z.B. der Kaitui). Ist Subskription ein Thema für Sie?
Markus Schneider: Wir sind jetzt nach sechs Monaten total ausverkauft. Unser größtes Volumen ist der Sauvignon Blanc mit 22 ha. Den Wein gab es offiziell vom 1. März bis 1. Mai, danach konnten wir keine Aufträge mehr annehmen.
In Blindproben ist der Kaitui ganz weit vorne. Wenn wir wissen, dass wir jetzt 30% weniger ernten und ich dann  meine Händler anrufen würden, „Ihr müsst jetzt bestellen“, dann würden die das machen. Wir sind im Preis letztes Jahr von zehn auf elf Euro ab Weingut hoch. Es geht nicht nur ums Geld verdienen, der Wein muss auch bezahlbar sein. Ich habe den Beruf nicht erlernt, um Geld zu verdienen. Das hört sich vielleicht doof an, aber ich bin so glücklich, wie es ist.
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Weinpilot: Wie kommt man auf Wein-Namen wie Holy Moly (Shiraz), Kaitui (Sauvignon Blanc), Tohuwabohu (Cuvée), Hullabaloo (Riesling), Bubbly (Schaumwein)?
Markus Schneider: Das ist alles bei Reisen entstanden. „Holy Moly“ für den Syrah zum Beispiel, ist aus dem Film „Ein seltsames Paar“ mit Jack Lemmon und Walter Matthau. Als die „Lorraine“ aus dem Auto aussteigt, und Walter Matthau ruft: „Holy Moly“.
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Weinpilot: Worin unterscheiden sich für Sie die Übersee- und Neue Welt-Weine von denen der EU und Alte Welt-Weine? Wo liegen die Vorteile und Nachteile?
Markus Schneider: Die Üppigkeit der Neuen Welt und die Frische der Alten Welt sind wesentliche Merkmale. Wir arroganten Europäer denken immer, die Neue Welt hat das Glück gepachtet und hat null Probleme. Alles super bei denen, kein Frost, kein Hagel etc. Das stimmt ja gar nicht. Mit Stellenbosch hab ich meine Erfahrungen gemacht und weiß, dass alles anders ist, als man es sich vorstellt.
Es gibt da unten Affen und Vögel ohne Ende. Es ist keine einfache Natur: extremes Klima mit Dürre, dann mal wieder extreme Kältephasen. Das erschwert die Arbeit vehement. Die Zeiten der dicken, schweren und schwarzen Übersee-Suppe, das ist vorbei. Flächendeckend werden weltweit die Weine alle viel leichter und frischer, überall in Spanien, Italien, südliche Rhone etc. Mit dem Cool Climate haben wir in Deutschland schon sehr viel Glück. Ich bin mal sehr gespannt, wie die Leute auf den 2014 Tohuwabohu reagieren. Ein extrem wichtiger Wein für uns.

 

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Weinpilot: Der Weinmarkt in Europa bleibt für osteuropäische Länder wie Georgien oder Moldawien verschlossen. In Europa kauft man eher billigen Industrie-Massenwein aus Übersee, anstatt wirtschaftlich „arme“ Länder zu unterstützen, die vor unserer Haustür liegen und über Top Qualitäten im Weinbau verfügen. Was ist die Ursache dafür?
Markus Schneider: Da ist definitiv der Kalte Krieg die Ursache dafür. Die Weltkriege und der eiserne Vorhang – das ist sehr tief in den Köpfen der Leute verankert.
Weinpilot: Wann hat man es als Winzer geschafft, wann tritt eine Genugtuung ein? Beim perfekt produzierten Wein? Beim erfolgreichen Aufbau einer Weinmarke oder wenn die Umsatzzahlen in Form von viel Geld da sind?
Markus Schneider: Ich hab mich das nie so gefragt. Ich war immer zufrieden.
Weinpilot: Das Streben nach dem perfekten Wein – ist das nicht ein Thema für Sie?
Markus Schneider: Den hab ich vielleicht schon gemacht!? Wenn ich jetzt alte Weine von uns aufmache, merke ich erst mal, wie gut die sind. Die perfekten Weine sind vielleicht schon gemacht – nur werden sie viel zu jung getrunken.
Für die Genugtuung und das Streben nach Glück – weil Sie das gerade so schön gesagt haben. Ich bin ja jetzt, mit über vierzig, alt genug, um besser zu sehen. Bedingt durch gewisse Schicksalsschläge, die ich erlitten habe, glaube ich, die Gesundheit ist viel mehr wert als ein dicker Geldbeutel. Ab vierzig fängt man an, anders zu denken.
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„Ich hatte nie einen Investor und auch keine reichen Eltern, die mich hätten unterstützen können.“

 

Weinpilot: Welcher Pfälzer-Jahrgang bleibt für Sie unvergessen?
Markus Schneider: 2003!!! 2006 und 2000 hat mich viele Haare und Nerven gekostet. Die Jahre 2006 und 2000 waren sehr kompliziert – und die Ergebnisse im Nachhinein dann doch sehr gut.
Ich hatte nie einen Investor und auch keine reichen Eltern, die mich hätten unterstützen können. Mit dem Jahrgang 2003 war bei uns im Betrieb der industrielle Break-Even erreicht. Ich konnte noch vor dem Jahrgang aus dem Konto heraus frei investieren. Durch die Erlöse von 2003 konnten wir den Neubau selbst finanzieren. Das war ein gigantisches Jahr. Da habe ich auch meine Frau kennengelernt, und es hat sich alles in meinem Leben verändert.

„Wir Winzer jammern nicht.“

Weinpilot: Dieses Jahr verhält sich das Wetter wie ein pubertierender Techno-Raver auf XTC. Wie ist Ihre Prognose für den aktuellen Jahrgang 2017?
Markus Schneider: Wetterphänomene mit extremem Frost gab es in diesem Jahr schon ab April. Wir leben damit. Wir Winzer jammern nicht. Das ist normal, schon immer so gewesen. Wir in Ellerstadt sind statistisch sogar häufiger vom Frost betroffen als auf dem Berg oben. Wir leben damit. Der Markt, die Endverbraucher und die Presse müssen es halt auch annehmen, wenn es in einem Jahrgang mal die großen Weine nicht gibt. Dann ist es eben so. Dann müssen aber auch alle mitmachen. Im aktuellen Jahrgang sind wir im Vergleich zum Vorjahr fünf bis sechs Grad Oechsle höher. Wir sind auf einem guten Weg. Es ist für diesen Jahrgang noch alles drin.
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Weinpilot: Der beste Wein ist…?
Markus Schneider: … der getrunkene Wein!
Weinpilot: Ist Berlin für Sie eine Stadt, in der Sie leben könnten?
Markus Schneider: Das hab ich mich schon ein paarmal gefragt. Langfristig nicht, weil bei mir die Heimatverwurzelung sehr groß ist. Aber ich bin in keiner deutschen Stadt häufiger als in Berlin.
  

 

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„Bub, wir bringen dich in der BASF unter!“

Weinpilot: Wenn nicht Winzer – was wäre dann aus Ihnen geworden?
Markus Schneider: Das kann ich so nicht sagen. Ich bin ja schon mit 15 Winzer geworden, von daher hat sich die Frage nie richtig für mich gestellt. „Bub, wir bringen dich in der BASF unter!“ – das war der Plan meiner Familie.
Weinpilot: Wohin geht die Reise für die Marke Markus Schneider?
Markus Schneider: Da, wo wir heute sind, sind wir bärenstark. Südafrika und Mosel sind Projekte, in denen ich mich ausprobieren kann. Aber wenn wir da bleiben, wo wir heute sind, haben wir Großes erreicht.
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Foto: Hanna Maluck

 

 

Im Laufe des Interviews habe ich mich unglaublich oft konzentrieren müssen, um beim „Sie“ zu bleiben. Das hatte ich mir im Vorfeld ganz fest vorgenommen. Das Gespräch wurde im Verlauf dann doch sehr viel persönlicher und offener, als ich gedacht hatte. Markus Schneider wirkte auf mich nicht abgehoben, stets authentisch und unglaublich geerdet – fast wie ein alter vertrauter Freund aus der Pfalz. Und – wenn es um philosophische Weisheiten ging – teilweise auch ein wenig wie Oliver Kahn. Das filmreife Gesamtpaket „Markus Schneider“ hat mich nachhaltig sehr beeindruckt.
Mir ist dann spät am Abend bei viel Wein, köstlichen Speisen und netten Menschen zum Abschied dann doch noch ein „Du“ rausgerutscht, was mir sehr peinlich war. Die Reaktion von ihm darauf: „Du kannst ruhig „Du“ zu mir sagen. Ich bin der Markus“.
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Vielen Dank an Wein & Glas Compagnie und Wolf Steppat!
(Interview: Batin Mumcu, Markus Schneider für www.berlinerweinpilot.de)

 

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Aloisiushof

véritable 17 –

Premium Weinfachmesse im Aloisiushof

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Susanne, Philipp Kiefer (Foto: Batin Mumcu – www.berlinerweinpilot.de)

Zur „véritable 17“ hab ich ein Interview mit Philipp Kiefer geführt. Wir sprachen über Saumagenpizza, Helmut Kohl, VDP und Techno in Berlin.

Im Interview Text habe ich Bilder der Weinmesse im Aloisiushof in St. Martin integriert.

Viel Spaß beim Lesen und los geht´s …

Interview mit Philipp Kiefer

 Der Gault Millau Weinguide Deutschland 2016, beschreibt Philipp Kiefer „als Aufsteiger, der aus dem Tierreich entlehnt ist“. Weiter schreibt man da: „Philipp Kiefer hat sich zum absoluten und unangefochtenen Leitwolf in St. Martin entwickelt. Er hat es geschafft, aus einem Weingut einen Betrieb mit Ambition, Profil und Souveränität zu entwickeln.“

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Philipp Kiefer (Foto: Batin Mumcu – www.berlinerweinpilot.de)

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Philipp Kiefer (Foto: Batin Mumcu – www.berlinerweinpilot.de)

 Weinpilot: Der Leitwolf aus der Pfalz. Das klingt spannend. Kannst Du Dich und den Aloisiushof kurz den Leuten vorstellen, die bislang nur die Walz aus der Pfalz (H.P. Briegel) kennen?

Die Top Sachen sind im Aloisiushof gelistet

Philipp Kiefer: Ja sehr gerne. 1950 hat mein Opa Alois den Hof gegründet. Sowohl der Hof, das Weingut als auch das Weinhaus sind nach „Alois Kiefer“ benannt. Mein Vater und seine zwei Brüdern waren von Geburt an am Aufbau vom Aloisiushof beteiligt. Wir haben mit 3 ha. angefangen und sind jetzt bei 22 ha.

Die Top Sachen sind im Aloisiushof gelistet. „Pinot Times“ ist ein Burgunder-Projekt, das ich als Hobby mit meinem Cousin Dominik Stern vom Weingut Stern zusammen betreibe. Weiter gibt es noch das Pfälzer Barrique Forum eine Kooperation mit 30 Betrieben.

Ich selbst bin seit 2008, nach meiner Lehre, Studium und dem Praktikum in New Zealand (2008 in NZ. Nordinsel 5,5 Monate) in den Betrieb dazu gekommen. Das Besondere ist, dass jeder aus der Familie im Betrieb beschäftigt ist. Mein Vetter und seine zwei Brüder, mein Onkel, meine Schwester Julia, meine Frau Susanne – alle aus der Familie sind am Start.

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Umso mehr bin ich meiner Familie sehr dankbar für das Vertrauen

Weinpilot: Können die Neuseeländer was im Weinbau oder saufen die den ganzen Tag Bier und schauen dabei Rugby im TV?

Philipp Kiefer: Das war schon alles sehr groß und sehr interessant. Gerade beim Ausbau von Chardonnay, Sauvignon Blanc und im Holz-Einsatz habe ich viel gelernt.

Weinpilot: Die Pfalz ist in vielen Bereichen sehr altbacken und konservativ. Hier etwas zu bewegen, gerade als Jungwinzer, stelle ich mir sehr schwer vor.

Philipp Kiefer: Das ist schon richtig. Umso mehr bin ich meiner Familie sehr dankbar für das Vertrauen. Jedoch ganz alleine kann ich nichts drehen, das geht nur im Family-Team.

 

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Mein Ziel: Ertragsreduziert zur Qualitätssteigerung.

Weinpilot: Ist der VDP für Dich ein Thema? Oder würdest Du den von der Bettkante stoßen?

Philipp Kiefer: Wir haben in der Vergangenheit ein VDP-Förderprogramm durchlaufen das nach fünf Jahren endete. Von 20 Weingütern wurden nur drei aufgenommen. Es besteht die Chance der Einberufung, aber wann, und ob, das steht in den Sternen.

Weinpilot: Ist das wichtig, beim Verband Deutscher Prädikatsweingüter dabei zu sein?

Philipp Kiefer: Nein sagen würden wir nicht. Immerhin sind führende deutsche Qualitätsbetriebe mit dabei.

Weinpilot: Wie würdest Du deine Philosophie im Weinbau beschreiben?

Philipp Kiefer: „So naturnah und Umwelt schonend wie möglich zu arbeiten.“ Viel Handwerksarbeit einzusetzen. Mein Ziel: Ertragsreduziert zur Qualitätssteigerung. Wir haben seit zwei Jahren keine Herbizide gespritzt. Aber eine Zertifizierung ist kein Ziel für mich. Mit der Spontanvergärung im Top Segment haben wir gute Ergebnisse erzielt. Im Einstiegssegment mache ich das nicht. Da ist mir das Risiko zu hoch.

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Das ist absolute Zukunftsmusik für mich. 

Weinpilot: Ich war vor kurzem in Georgien. Der Ausbau in Qvevri hat dort eine lange, ca. 8.000 Jahre alte Tradition. Ist für Dich der Bio-, Natur- und Orange-Wein nur ein kurzweiliger Trend oder eine ernst zunehmende langfristige Entwicklung „Back to the Future“?

Philipp Kiefer: Das ist absolute Zukunftsmusik für mich. Es ist schon ein sehr spannendes Thema, wenn es gut gemacht ist. Leider habe ich viele negative Ergebnisse verkostet. Vom Opa gibt es noch drei Steinzeug Behälter mit jeweils 1.000 Liter. Die haben wir im Boden versenkt, und in Zukunft werden wir da sicherlich spannende und kreative Experimente mit machen.

Weinpilot: Welche Erwartungen hast Du an die „véritable“ und welchen Stellenwert hat für Dich Deine Weinmesse national und international?

Philipp Kiefer: Die „véritable“ haben Uwe (Uwe Warnecke) und ich ins Leben gerufen. Beim Verkosten vieler Weine ist die Idee zur „véritable“ entstanden. Mittlerweile sind 93 Betriebe beteiligt. Vor 20 Jahren wäre das noch unvorstellbar gewesen, dass Winzer Kollegen ihre Weine im Fremdweingut präsentieren. Die „véritabe“ macht die Ortschaft schon sehr stolz, Gäste wie Angelo Gaja, Günther Jauch etc. zu empfangen. Und dazu ist es ein tolles Aushängeschild für St. Martin. Aus St. Martin selbst sind keine Winzer dabei, außer uns. Es soll auch keine Pfalz-Weinprobe sein, sondern ist mehr international gedacht.

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Weinpilot: Du hast gerade von Uwe Warnecke gesprochen, wie hält man das eigentlich mit und ohne den aus? Immer wenn ein Tag vergeht, an dem er mich nicht anruft, mache ich mir Sorgen?!

Philipp Kiefer: Er ist ein Kollege und Sommelier-Vollprofi mit einer langen und spannenden Geschichte und Laufbahn. Eine absolute WinWin Situation Ihn zu treffen. Er hat den Betrieb weiter gebracht. Uwe kenne ich seit 2007, kurz darauf kam die erste Wein-Messe 2010. Uwe ist sicherlich ein Freak und nicht immer einfach im Umgang, aber genau das schätze und respektiere ich an Ihm.

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Nur eine Promo Etikette „crazy uwe“ (Foto: Batin Mumcu – www.berlinerweinpilot.de)

Weinpilot: Apropo Freak, was ist eigentlich aus der Idee vom Crazy Uwe Wein geworden?

Philipp Kiefer: Kommt! Riesling Maikamrer Heiligenberg. Ertragsreduziert mit 90 Oe. Ausbau im Fudder 1.000 Liter. Nur die besten Trauben, mit Maischestandzeit. Sponti Vergärung im Gewölbekeller. Eine Mosel Stilistik in der Pfalz.

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Helmut Kohl hat der Region viel gebracht

Weinpilot: Helmut Kohl ist in diesen Tagen verstorben. Gibt es jetzt einen Trauermarsch oder eine Party in der Pfalz?

Philipp Kiefer: Weder noch! Helmut Kohl hat der Region viel gebracht. Er war damals sogar bei uns im Betrieb mit Václav Havel auf Staatsbesuch. Wir haben sogar ein Fass für das Bundeskanzleramt als  Sonderabfüllung produziert. Helmut Kohl hatte damals eine gute Beziehung zum Bürgermeister Herrn Ziegler und hat viel für die Pfalz bewirkt.

Weinpilot: Dann gibt es also heute Abend Saumagen oder doch lieber eine Pizza?

Philipp Kiefer: Saumagenpizza!!! 🙂

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Weinpilot: Wie siehst Du die Weinkultur in der Zukunft, wo geht der Trend hin?

Philipp Kiefer: So wie es vor dem Ersten Weltkrieg war. Deutschland neben Bordeaux im Weinregal. Es wird viel bewegt, es gibt tolle Nachwuchstalente in Deutschland mit hohem Qualitätsbewusstsein.

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Weinpilot: Deine Liste der besten Weine der Welt sind?

Philipp Kiefer:

Weiß: Trimmbach Elsass – Riesling – Clos Ste. Hune

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Rot Bernhard Huber Baden alle Burgunder

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Schaumwein: Champagner Häuser wie Billcard Salmon, und kleine Häuser mit tollen Ergebnissen.

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Süßwein:  Prüm, Dönnhoff, F. Haag, Ziliken, Mosel mit Restsüße, alle Top Mosel Weine

 

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Da rein, da raus und ab in den nächsten Club

Weinpilot: Welche Weinbars in Berlin kannst Du empfehlen?

Philipp Kiefer: Ich bin selten da. Ich war mal in der Weinbar Rutz. Meistens war ich in Berlin zum Party machen und eher in Techno Clubs unterwegs. Frag mich nicht wie die heißen, im Laufe der Nacht hab ich da den Überblick verloren. Da rein, da raus und ab in den nächsten Club. Berlin und Techno das ist ja unglaublich was da abgeht!

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Alois Lageder (Foto: Batin Mumcu – www.berlinerweinpilot.de)

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Günther Jauch (Foto: Batin Mumcu – www.berlinerweinpilot.de)

Bleibt easy und trinkt Pinot mit Saumagenpizza

Weinpilot: Tierisch und animalisch verabschieden wir uns dankend vom „Aufsteiger aus dem Tierreich“. Wie lautet deine Botschaft als „Leitwolf aus der Pfalz“ an die Weinwelt?

Philipp Kiefer: Bleibt easy und trinkt Pinot mit Saumagenpizza. Obwohl zum Saumagen würde besser Riesling passen. Oder Leberworschtbrötche naturnah.

Weinpilot: Wir wünschen Dir viel Erfolg, weiterhin Deinem hohen Anspruch an Wein gerecht zu werden. Was mich beeindruckt hat ist, dass der Aloisiushof als Familien-Betrieb mit Freunden im Umfeld und der Ortschaft St. Martin in der Pfalz geschlossen auftritt und mit der „véritable“ Weinmesse hohe Wellen schlägt, die international und deutschlandweit wichtige Menschen der Weinbranche vereinigt.

Alles weitere zum Wein und Sekthaus Alois Kiefer findet Ihr hier:

http://aloiskiefer.de/

Danke an Uwe Warnecke für deine Freundschaft,

und Philipp Kiefer für das Gespräch,

wir sehen uns nächstes Jahr zur „véritable 18!

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kariert und liniert passt! Susanne + Philipp Kiefer (Foto:Batin Mumcu – www.berlinerweinpilot.de)

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Philipp Kiefer, Batin Mumcu (Foto:www.berlinerweinpilot.de)

Hinweis:

Philipp Kiefer kommt bald nach Berlin,

wir freuen uns in einem besonderen Berliner Weinpilot Event,

die Weine und das Weingut in seiner Vielfalt in der Hauptstadt vorzustellen.

Mehr dazu bald im Kalender

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„Damit Du keine Weinverkostung verpasst!“

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