Wein und Kino

„Der Wein und der Wind“

Eine Film-Rezension von Jasmin Asis zum Kino-Film „Der Wein und der Wind“.

Jasmin beschreibt den Film sehr authentisch und gut, so das jeder schon beim lesen, Ihre Passion zum Thema Wein und Film spüren kann.

Vielen Dank liebe Jasmin. Vielleicht dürfen wir in Zukunft mehr Texte von dir lesen und veröffentlichen!?

 

Bildrechte: Studiocanal

Bildrechte: Studiocanal

FILM-Rezension „Der Wein und der Wind“                                                     

von Jasmin Asis

 Endlich wieder ein Film mit dem Thema Wein. Lange haben wir darauf gewartet. Bereits während der ersten Bilder, die in Cédric Klapischs neuem Film „Der Wein und der Wind“ Burgunds Weinberge im Wechsel der Jahreszeiten zeigen, geht dem Weinliebhaber das Herz auf. Man ist stolz und dennoch eigenartig berührt zugleich, Keller-, Ernte- und Verkostungsszenen auf großer Leinwand zu erleben – das, was wir quasi im stillen Kämmerlein und fast immer unter Ausschluss der Öffentlichkeit tun, das, wofür wir mit Leidenschaft brennen, gibt es plötzlich im Großformat für alle.

Erzählt wird die Geschichte der ungleichen Geschwister Juliette, Jérémie und Jean, deren Vater im Sterben liegt, als sich die drei nach vielen Jahren wieder auf ihrem Weingut bei Meursault zusammenfinden. Es gilt, sich neu zu sortieren, unausgetragenen Konflikten zu stellen und gemeinsame Entscheidungen für die Zukunft des Gutes zu treffen. Dabei hat jedes der Geschwister sein eigenes Päckchen zu tragen – so, wie jedoch der Wein mit der Zeit gedeiht und reift, reifen auch seine Macher. Sie wachsen an ihren Konflikten und Auseinandersetzungen, sei es die zu überwindende Trauer, das Beziehungschaos mit Down Under oder der übermächtige Schwiegervater – und am wichtigsten: die Beziehung der drei sich entfremdeten Geschwister entwickelt sich und schweißt sie allmählich zusammen (Hier trifft es der französische Titel besser: „Ce qui nous lie“, was übersetzt „Das, was uns vereint“ bedeutet). Selbst der Weingenuss wird davon nicht ausgenommen: Wird am Anfang des Films noch mit ungeeigneten Weingläsern angestoßen, sind es in der letzten Szene meines Erachtens schon Zalto-Gläser.

Cédric Klapisch, der uns bereits mit „Auberge Espagnole“ und „So ist Paris“ das Herz erwärmt hat, schafft es, den Zuschauer mit den malerischen Bildern von Kameramann Alexis Kavyrchine ganz nah an den Winzeralltag heranzubringen, hinab zu den Stahltanks im Keller, hinaus zu den Lesetagen, auf das Sortierband und sogar ins önologische Labor. Dafür bedient er sich einer langsamen, unaufdringlichen Erzählweise, die besonnen durch alle heiteren, komischen und traurigen Momente führt. Mit Bildern und Szenen, die manchmal nur wenige Sekunden dauern, fängt er die Widrigkeiten und Herausforderungen aber auch die Freuden und Erfolge eines Winzers mit viel Feingefühl und Humor ein. Wir lachen und weinen im ständigen Wechsel. Dies alles wirkt trotz einiger montierter Einfälle so wunderbar realistisch, dass man dabei stets den Eindruck hat, als wäre man nur Beobachter, der dieser Familie für ein Winzerjahr über die Schulter schaut und ganz nebenbei jede Menge über die harte und schwierige Arbeit erfährt. Die Unberechenbarkeit der Natur bestimmt hier alle Abläufe und Eingriffe – nicht der Mensch.
Hervorragend gelungen ist Klapisch die authentische Besetzung, die er auch mit Einheimischen aus der Meursault-Gegend ergänzt hat – selbst die Kinder-Darsteller gleichen ihren erwachsenen Pendants bis aufs Haar. Großartig auch das Spiel der drei Hauptdarsteller Pio Marmaï, Ana Girardot und François Civil, die ungekünstelt und in stimmiger Chemie wie bei einer ideal ausbalancierten Cuvée miteinander harmonieren. Gedreht wurde übrigens auf der Domaine Roulot in Meursault, dessen Besitzer Jean-Marc Roulot sowohl Bio-Winzer als auch Schauspieler ist, und der im Film die Rolle des Marcel spielt. Da Klapisch gegenüber seinem zähneknirschenden Produzenten Bruno Levy darauf beharrte, alle vier Jahreszeiten auf einem Weingut einzufangen zu wollen, musste das gesamte Team inkl. kompletter Entourage mehrere Male ins Burgund reisen. Stets abhängig von den Witterungsbedingungen, versteht sich. Für den verschneiten Weinberg im Winter z.B. musste die Crew im Januar von heute auf morgen nach Meursault aufbrechen.

Der einzige Wermutstropfen ist das ein bisschen klanglos ausgefallene Ende – ein Happy-End war eigentlich nicht zu erwarten, das hätte den Kitsch-Faktor gesprengt. Es kommt fast langweilig daher und ist aber vielleicht gerade deswegen so realistisch.

Fazit: Cédric Klapisch nimmt für seinen neuen Film den Weinbau als Metapher für das menschliche Miteinander und trifft die Sache mit seiner realistischen Erzählweise auf den Punkt. „Der Wein und der Wind“ ist eine Liebeserklärung an den Wein und an das Leben selbst und daher für alle aus der Weinzunft eine absolute Empfehlung, mit dem man sich für 2 Stunden ins Burgund hinüber träumen kann. Und manch einer betrachtet danach das Winzerdasein vielleicht mit anderen Augen. Das wäre schön. Darauf einen gereiften Grand Cru. Santé!

DER WEIN UND DER WIND

Originaltitel: Ce qui nous lie (Drama, Frankreich 2017), 114 Minuten

Bundesweit im Kino seit 10. August 2017

Jasmin Asis aus Frankfurt/Main ist seit 10 Jahren im deutschen Vertrieb des toskanischen Weingutes Nittardi tätig und freut sich, mit dieser Rezension ihre zweite Passion, die Filmwelt, mit der Leidenschaft für Wein endlich einmal zusammenbringen zu können.

 

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