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Romana Echensperger

Interview: Romana Echensperger

Titel: “Das Freiheits-Motiv”

Vorwort | Batin Mumcu | Berliner Weinpilot

Unzählige „nachhaltige“ Labels, Marken und Bezeichnungen haben oft nur geringe Transparenz in der Etikettierung der landwirtschaftlichen Produkte.

Das Chaos der Lebensmittel-Etikettierung führt zu gerechtfertigter Verwirrung in der Gesellschaft. Worin liegt eigentlich der Unterschied zwischen Bio und biodynamisch? Was versprechen die Siegel von EcoVin, Bioland, Naturland, Bio Kreis, Gäa, Demeter, BIODYN, Naturwein etc. ?

Welche Kritikpunkte gibt es an konventionell hergestellten landwirtschaftlichen Produkten, und was ist daran nicht organisch, wenn diese doch dem Naturboden entspringen?

Ich habe mich mit Romana Echensperger (Master of Wine) über die gegenwärtige Situation der Landwirtschaft im Hinblick auf Wein unterhalten. Frau Echensperger hat zu diesem Thema ein bemerkenswertes Buch veröffentlicht „Von der Freiheit den richtigen Wein zu machen“. In diesem Buch deckt Sie den nicht gerade nachhaltigen Umgang mit der Natur auf, den die Industrialisierung der Landwirtschaft mit sich bringt.

Weiter werden in Ihrem Buch 12 internationale Winzer porträtiert, die fern der Industrialisierung einen alternativen und nachhaltigen Weinbau, individuell und erfolgreich praktizieren. Einen Ausschnitt aus dem spannenden Gespräch, das mir bisweilen unbekannte und erschreckende Erkenntnisse lieferte, können Sie jetzt und hier lesen. Viel Spaß dabei und los geht’s!


Romana Echensperger | Master of Wine | Bild: Konstantin Volkmar

Von der Freiheit den richtigen Wein zu machen

Weinpilot: Was ist die zentrale Aussage und Botschaft die aus Ihrem Buch „Von der Freiheit den richtigen Wein zu machen“ heraussticht?

Romana Echensperger: Ganz klar das Freiheits-Motiv. Dabei wird Freiheit nicht als uneingeschränkt verstanden, sondern als Freiheit in Verantwortung. Verantwortung für sich, seine Mitarbeiter und Kunden sowie seine Scholle Land, die man gestalten darf. Schaut mal genau hin, was die Industrialisierung der Landwirtschaft und des Weinbaus auch mit den Menschen gemacht hat. Die Bauern sind oftmals gar nicht mehr Herr ihres eigenen Besitzes und der eigenen Saat. Das Schicksal von Bauern wie Winzern ist oft von Agrarsubventionen abhängig, dem Oligopol von Handelskonzernen oder auch von Abhängigkeiten, die die Agrar-Industrie schafft. Das zentrale Motiv, das mir bei meiner Recherche immer wieder begegnet ist, ist die Suche nach Freiheit von diesen Abhängigkeiten. Für mich war das eine echte Überraschung. Damit hatte ich nicht gerechnet. 

Die Suche nach Freiheit von diesen Abhängigkeiten

Zitat: Romana Echensperger

Weinpilot: Mir war bislang nicht bewusst, dass Landwirtschaft und Aufrüstung für Kriegszwecke eng miteinander verbunden sind. Können Sie das kurz erklären?

Romana Echensperger: Stickstoff in Form von Salpetersäure ist Rohmaterial für Explosivstoffe. Sprengstoffe wie TNT wurden erstmals 1863 synthetisiert. Damit stand die Landwirtschaft in Konkurrenz mit der Rüstung. Nur an Stickstoff war nicht so einfach zu gelangen. Die Verfügbarkeit stieg als man Mitte des 19. Jahrhunderts den Rohstoff Natriumnitrat aus Chile importierte, den sogenannten Chilesalpeter. Den großen Durchbruch in der Stickstofffrage konnten dann die Forscher Carl Bosch und Fritz Haber feiern. Sie erfanden um 1910 die Möglichkeit industriell Stickstoff zu gewinnen, rechtzeitig vor dem Ersten Weltkrieg. Das Kriegsministerium gab großzügige Kredite für die großtechnischen Anlagen.

Übrigens gibt es zahlreiche Historiker, die diese Erfindung für die extreme Brutalität und die Dauer des Ersten Weltkrieges verantwortlich machen. Ohne diese Erfindung wäre allen Beteiligten schneller die Munition ausgegangen. Nach dem Krieg standen dann Unmengen von Stickstoff zur Verfügung, die einen neuen Abnehmer brauchten und der Siegeszug der Agrarchemie war nicht mehr aufzuhalten.



Die Wahrheit ist auf dem Feld

Das Ziel sollte sein, ein souveräner also freier Praktiker zu werden

Romana Echensperger

Weinpilot: Die Biodynamie wird immer kritisiert zu dogmatisch und wenig wissenschaftlich begründbar zu sein? 

Romana Echensperger: Die Wahrheit ist auf dem Feld und da sieht es so aus, dass die Biodynamie mit ihren Theorien offenbar näher an der Wirklichkeit dran ist als der Teil der Agrarforschung, der der Industrialisierung den Weg bereitete. Bevor man also die Biodynamie, für ihre Nichtwissenschaftlichkeit kritisiert, sollte man sich fragen was denn in der Agrarforschung in den letzten 100 Jahren schiefgelaufen ist und warum die konventionelle Landwirtschaft solche Umweltschäden verursacht. Das wäre die gebotene Frage. 

Weinpilot: Was ist schlecht an industriellen Betriebsmitteln und dem konventionellen Weinbau? Welche Argumente rechtfertigen diese Methode noch? 

Romana Echensperger: An diesen Betriebsmitteln ist schlecht, dass sie eine Negativspirale und Abhängigkeit induzieren, die nach immer mehr solcher Betriebsmittel verlangt. Es ist ein sich selbstverstärkendes System. Schauen Sie – mit dem Beginn der Kunstdüngung wurde es möglich die Verbindung zwischen Ackerbau und Viehzucht aufzutrennen. Damit wurde der Stalldünger für die Felder verringert und damit nahm die Bodenfruchtbarkeit kontinuierlich ab. Die Verwendung giftiger Spritzmittel folgte dann auf dem Fuße und sie wird immer mehr, weil sich Resistenzen bilden.

Man muss die Zusammenhänge erkennen. Wenn in Brasilien die Regenwälder brennen, hat das was mit unserer Landwirtschaft zu tun. Denn die dort erzeugten Futtermittel werden auch in unseren Mastfabriken verfüttert. Dazu kommen die Nitratbelastung des Grundwassers, Biodiversitätsverlust, Erosion, Humus Abbau, etc., … Kosten die seit Jahrzehnten dreist der Allgemeinheit aufgebürdet werden – zu den ganzen Steuergeldern die für absurde Agrarsubventionen ausgegeben werden. Diese Form der Landwirtschaft ist auch ohne Einsatz von billigem Erdöl nicht denkbar. Wer eine „true-cost-calculation“ anstrengt, muss für diese extrem industrialisierte Landwirtschaft Insolvenz anmelden. Wir brauchen einen neuen Anfang.

Wenn in Brasilien die Regenwälder brennen, hat das was mit unserer Landwirtschaft zu tun

Weinpilot: Worin unterscheidet sich in der Praxis die Herangehensweise zwischen konventionellen Wein und biodynamischen Weinanbau?

Romana Echensperger: Ein konkreter Unterschied liegt im Verzicht auf synthetischen Dünger und Spritzmitteln bei den Bio-Methoden. Der Unterschied zwischen Bio und Bio-Dynamisch ist mehr eine Erkenntnistheoretische Geschichte. Der Biodynamiker hat dieses Anthroposophische Naturbild im Ansatz. Dieses geistige Band, wie er die Dinge einordnet. Und die komplexen Zusammenhänge zwischen Natur und Mensch analysiert. Der Biodynamiker geht davon aus, dass durch die Naturwissenschaftlichen-Methoden die Erkenntnis nicht vollständig ergründet wird. Biodynamie ist kein Dogma und keine Alternative zur naturwissenschaftlichen Sicht, sondern eine Erweiterung. Das Ziel sollte sein, ein souveräner also freier Praktiker zu werden, der unabhängig vom Agrarchemieberater aber auch vom Biodynamie-Consultant ist. 


WIE DÜNGER DEN UNTERGRUND BELEBT – ODER ZERSTÖRT

Wirkungsweise organischer und mineralischer Nährstoffe | Schema

Grafische Darstellung: Bartz / Stockmar| Heinrich-Böll-Stiftung | Lizenz: https://www.boell.de/de

Weinpilot: Ein entscheidender Motor für den industriellen Weinbau ist das Streben nach mehr Ertrag. Das Ziel müsste jedoch die nachhaltige Ertragsreduzierung hin zur Qualitätssteigerung sein? Kann man im Bio Weinanbau überhaupt hohe Erträge erzielen?

Romana Echensperger: Hier muss man genau hinsehen. Wenn wir von Weinbau sprechen, dann hat man vor der Industrialisierung bei 20 hl/ha Durchschnittsertrag in Deutschland von einem mengenmäßig großen Jahrgang gesprochen. Im Jahr 2018 waren es im Bundesdurchschnitt 100 hl/ha – das Fünffache. Im Bioanbau spricht man in der Regel von 20 % weniger Ertrag. Das ist im historischen Bild immer noch eine enorme Menge. 



Als Erstes muss die Entscheidung im Kopf reifen

Weinpilot: Wie gestaltet sich ein Umbau vom konventionellen Winzerbetrieb hin zur Biodynamie? Welches sind die wichtigsten Methoden und Gesetze die zu befolgen sind?

Romana Echensperger: Als Erstes muss die Entscheidung im Kopf reifen. Wer das nur aus Marketinggründen mal schnell machen will, wird scheitern. Weil die Umstellungsphase sehr fordernd ist. Ein natürliches Gleichgewicht im Boden und Pflanzen stellt sich auch nicht von heute auf morgen ein und dauert viel länger als die gesetzlichen drei Jahre die vorgeschrieben sind, um die Zertifizierung zu erhalten. Es ist ein Lernprozess und man wird Fehler in dieser Zeit machen. Kommen dann noch schwierige Jahrgänge dazu kommt der Punkt, wo ich mich für den Verlust und gegen Chemie entscheiden muss. Ganz wichtig ist, sich einer Gemeinschaft anzuschließen. Gleichgesinnte für Fragen und Antworten zu gewinnen, um zentrale Probleme und Schwierigkeiten abzugleichen. Die Erkenntnis im Kopf und das soziale Umfeld zum Austausch sind optimale Startbedingungen.

Weinpilot: Ist es überhaupt sinnvoll den Betrieb umzustrukturieren, wenn im direkten Umfeld konventionell gearbeitet wird?

Romana Echensperger:  Es gab Biowinzer an der Mosel, die Helikopter Piloten verklagt haben, weil diese ihre Weinberge unaufgefordert mit gespritzt haben. Das ist sicherlich ein Extrembeispiel. Aber ich habe bei vielen Betrieben gesehen, dass sie durch vorbildliches Wirtschaften einen Trend anzetteln, der Regional zum Umdenken geführt hat. Solche Betriebe können ein Kristallisationspunkt für einen Wandel in der Region werden. Weil die Nachbarn irgendwann sehen, dass es funktioniert und dass es irgendwann in schwierigen Jahren auch besser funktioniert. Wichtig ist einfach anzufangen.



Die Sinnhaftigkeit von Labels

Weinpilot: Bei der Vielzahl der Bio Label gibt es viel Verwirrung beim Endverbraucher. Ist biodynamischer Weinbau, dass was man allgemein unter Naturwein verstehen kann? Und ist die Arbeitsweise der Biodynamik jene, die der Natur und somit dem Begriff: Naturwein am nächsten steht?

Romana Echensperger: Die Sinnhaftigkeit von Labels muss man differenziert betrachten. Einmal aus dieser politischen rechtlichen Geschichte heraus, in Form einer Verbandszugehörigkeit. Was die Funktion im Verband als Lobbyarbeit in Brüssel leistet, ist als Schutzfunktion nicht zu unterschätzen. Sicher würde es den Bio- oder biodynamischen Weinbau ohne Verband sonst so nicht mehr geben. Dann noch die Perspektive der Verbraucher. EcoVin, Naturland, Demeter sind sicherlich Labels, die etwas aussagen und wichtig sind. Aber ich würde die Bürger gerne ermutigen, sich mehr auf ihren Geruchs- und Geschmackssinn zu verlassen. Jeder hat ein Gespür dafür, ob Lebensmittel natürlich und handwerklich verarbeitet sind oder industriell hergestellt wurden. Denkt man an Brot vom Handwerksbäcker im Vergleich zur Industrieware oder an verschiedene Erdbeerjoghurts. Riechen und schmecken sollte wie Denken das Rüstzeug des mündigen Bürgers sein.

Ich plädiere für etwas mehr Achtsamkeit im Umgang mit Lebensmitteln und Wertschätzung für Handwerk

Weinpilot: Ich muss an dieser Stelle den Endverbraucher oder mündigen Bürger ein wenig in Schutz nehmen. Das Heranwachsen mit z. B. Gummibärchen mit künstlichen Aromastoffen die einem vom eigentlichen natürlichen Geschmack entfremden. Es wird dabei zum Beispiel Kirsch-Geschmack suggeriert, der jedoch einer natürlichen Kirsche fremd ist. Jene Industrieprodukte und Fälschungen der Naturaromatik sind ja flächendeckend in allen Lebensmittelbereichen vorhanden.

Romana Echensperger: Ja, das stimmt! Ich will eigentlich damit auch an das Bewusstsein appellieren und niemanden verurteilen. Ich plädiere für etwas mehr Achtsamkeit im Umgang mit Lebensmitteln und Wertschätzung für Handwerk. Aber es geht auch darum sich vor Abhängigkeiten zu schützen. Nehmen wir zum Beispiel Zucker. Die billigste Droge der Welt ist Zucker. Übergewicht oder Diabetes sind die Folgen bei übermäßigem Verzehr. Jetzt schau dir an, was teilweise in Kindernahrung für Zuckermengen drin sind. Wenn man nicht aufpasst, werden schon die Kleinsten auf den Industriegeschmack konditioniert. Das kann man nicht akzeptieren. 

Ich will eigentlich damit auch an das Bewusstsein appellieren und niemanden verurteilen

Romana Echensperger

Weinpilot: Sagen wir es mal so. Gleich dem Motto: „Friss oder stirb“. Der mündige Bürger hat auch nicht immer die Wahl und das nötige Geld aufgrund seiner sozialen Stellung in der Gesellschaft, um sich Bio Ware zu kaufen. Selbst, wenn diese wollen würden, bietet die Lebensmittelindustrie keine nachhaltige Alternative. 

Romana Echensperger: Deinen Einwand kann ich sehr gut nachvollziehen und es macht mich wütend. Wenn man genau darüber nachdenkt, sieht man welchen Pappkameraden uns die Politik hinstellt, wenn sie sagt: „na ja – der Verbraucher will ja nur billig und kein Bio“. Wenn man die ganzen Steuergelder für Agrarsubventionen und dann noch die Folgekosten rechnet, dann müssten die Biolebensmittel superbillig sein und nicht die Industrieware. Dann müsste jeder von uns nachhaltig erzeugte Grundnahrungsmittel jeden Tag frei Haus vor die Tür gestellt bekommen. Mit freundlichen Grüßen vom Landwirtschaftsministerium. Schau – wir machen wegen Corona völlig berechtigt einen Lockdown. Es gibt aber jährlich auch etwa 30.000 Tote Menschen durch multiresistente Keime. Das hängt auch damit zusammen, dass die in Mastfabriken gehaltenen Tiere mit Antibiotika vollgestopft werden müssen und immer mehr Resistenzen entstehen. Warum wird da nicht gehandelt? 



Die Ressourcen der Landwirtschaft

Weinpilot: Denken Sie, dass die Ressourcen der Landwirtschaft ausreichen um 80. Millionen Menschen in Deutschland nachhaltig mit Bio-Nahrung zu versorgen?

Wenn wir so weitermachen wie bisher, sind in spätestens 50 Jahren die Böden kaputt

Romana Echensperger

Romana Echensperger: Das ist die große Gretchen Frage. Es geht darum, was können wir jetzt erzeugen und was können wir noch in 100 Jahren erzeugen? Wenn wir so weitermachen wie bisher, sind in spätestens 50 Jahren die Böden kaputt, der Klimawandel und Wetterextreme kommen obendrauf und wir werden nicht mehr dieses Ertragsniveau halten können. Vielleicht können wir uns dann mit Gentechnik noch eine Zeit lang über Wasser halten, aber langfristig stellt dies keine Perspektive dar. Wir müssen Landwirtschaft neu denken und auch den Konsum. Wir können nicht so viel Fleisch essen und so viel wegwerfen.

Übrigens ist auch hier ein Blick in die Agrargeschichte interessant. Ganze Zivilisationen hängen davon ab, ob Landwirtschaft nachhaltig ist. Boden ist das größte Kapital, das wir haben – wenn das kaputt ist, werden wir untergehen. Wie viele andere Zivilisationen vor uns. Das römische Reich mit seiner wenig nachhaltigen Landwirtschaftspolitik war nach gut 1000 Jahren zu Ende. In China hatte man hingegen 4000 Jahre lang Landwirtschaft betrieben, ohne das die Bodenfruchtbarkeit abnahm. Das war, bevor auch da die westlichen Agrarmethoden Einzug hielten. Auch hier ist es interessant einmal den Zeithorizont zu vergrößern und Zusammenhänge zu erkennen. 

Transparenz in der Etikettierung

Weinpilot: Von der Landwirtschaft zurück zum Wein. Eine BIO Klassifizierung und Naturwein Reglementierung hin zu einem nachhaltigen Bewertungssystem der Weinbranche, erfordert eine Revolutionierung der konventionellen Bewertungssysteme. Die Alte 100 Punkte Skala von Robert Parker zum Beispiel, scheint mir da weniger zeitgemäß. Wichtige Kriterien der neuen Naturweinpunktevergabe wären für mich zum Beispiel: Transparenz in der Etikettierung der Inhaltsstoffe, Produktherkunft, Sensorik und Geschmack, ökonomisch und ökologische Aspekte. Der Flaschenpreis gemessen an Qualität im Leistungsverhältnis der Produzentenarbeit. Und die Vision und Philosophie des Herstellers. Wie stehen Sie dazu?

Romana Echensperger: Das ist in Planung. Ich finde auch, dass die Punktebewertung á la Parker so „1990s“ ist. Damals war die Zeit, in der man mit Ertragsreduzierung und Kellerhygiene einen Qualitätssprung machen konnte. Heute hat sich das Bild von Qualität weiterentwickelt. Meine Idee ist für den deutschsprachigen Raum einen Biodynamie-Weinführer zu machen mit Besuch im Weingut und Vorstellung deren Philosophie, Weinbergslagen, Ausbau und was ist das Besondere an deren Weinen. Kommt!  

Bei allen harten Auseinandersetzungen geht es nicht darum die Fronten zu verhärten und Schwarz-Weiß-Denken zu untermalen.

Weinpilot: Wie lange haben Sie insgesamt für das Buch gearbeitet? Was hat Sie an den 12 Winzer Porträts in Buch am meisten beeindruckt?

Romana Echensperger: 14 Monate war ich insgesamt mit dem Buch beschäftigt. Deutschland, Elsass in Frankreich, Südtirol und Österreich sind die Länderschwerpunkte. Unterschiedliche Betriebsgrößen im Fokus zu haben war mir sehr wichtig. Auch Traditionsbetriebe wie Dr. Bürklin-Wolf mit besonderen Riesling Lagen wie „Kirchenstück“ zu besuchen. Freakige Typen wie Franz Weninger und Frank John waren sehr spannend. Ich wollte auch unbedingt zu Alois Lageder nach Südtirol fahren. Der einen vergleichsweise großen Betrieb hat. Weiter auch, besondere Weinbau Pioniere wie Clemens Busch an der Mosel zu besuchen. Der von den Anfängen berichten kann und mir zeigte, dass es viele Ansätze gibt, die erfolgreich zum Ziel führen. 


Bild | Konstantin Volkmar

Steillagen und alte Reben

Weinpilot: In welcher Region steht der schönste Weinberg. Und welcher Winzer hat die beeindruckendsten Weinberglagen? 

Romana Echensperger: Ganz klar die Mosel mit ihren extremen Steillagen und alten Reben. Aber es gab überall schöne Momente wie im Elsass, da hatte ich meinen Sohn dabei, der war damals noch kein Jahr alt und hat das total genossen. Auch die Zusammenarbeit mit Konstantin Volkmar war super. Ein toller Fotograf mit einem großartigen Auge für den richtigen Moment. Er hat sofort verstanden, worauf es mir ankommt und was ich abgelichtet haben will. Ich wollte keine plakativen gestellten Bilder haben. Das hat er super umgesetzt. 

Weinpilot: Eine witzige Bauern-Regel die immer passt?

Romana Echensperger: Steht das Schwein auf einem Bein, ist der Schweinestall zu klein!

Weinpilot: Eine finale Botschaft von Ihnen lautet?

Romana Echensperger: Bei allen harten Auseinandersetzungen geht es nicht darum die Fronten zu verhärten und Schwarz-Weiß-Denken zu untermalen. Es geht darum, den Tanker in die richtige Richtung zu lenken. Am Ende sitzen wir alle im gleichen Boot.


Bilder | Konstantin Volkmar

Kommentar | Batin Mumcu | Berliner Weinpilot

Die Politik ist gezwungen die freien demokratischen Bedingungen zu gewährleisten, damit jeder Bürger unabhängig finanzieller Mittel die nötige Vielfalt landwirtschaftlicher Produkte vorfindet, um sein Eigenwohl selbst zu bestimmen.

Politik beginnt beim Konsumverhalten. Jeder Mensch trägt mit seinem Verhalten direkt dazu bei, etwas zu verändern. Jeder nachhaltige Einkauf von Lebensmittelprodukten und Wein ist dabei entscheidend. Der Klimawandel zwingt zum Umdenken. Die Negativspirale der industriellen Massenproduktion mit ständigem Umsatz und Ertrags-Rekorden stellt eine Einbahnstraße dar. Preisdumping sind die wirtschaftlichen Folgen. Ökologisch sind die Ressourcen nicht vorhanden, um dies zu rechtfertigen. Langfristig gibt es so keine Gewinner.

Qualität statt Quantität lautet die Maxime!

Der daraus folgende Auftrag ist klar. Flächendeckende Transparenz der Produkte und stetige Aufklärung zur Nachhaltigkeit sind daher von elementarer Wichtigkeit und dringend notwendig. Die industrielle Massenproduktion in ihrer temporären Form muss gestoppt werden. Ein sozialkritischer Umgang beim Kauf von Wein und landwirtschaftlichen Lebensmitteln ist notwendig, um die Monokultur der Massenproduktion und die damit verbundenen Umweltschäden zu stoppen. Umdenken, jetzt und sofort! Der Bürger ist gezwungen an seinem Verhalten etwas zu ändern, in Eigenverantwortung und im Hinblick auf folgende Generationen. So schwer es mir fällt, dies so deutlich zu sagen. Von selbst passiert nichts. Sie müssen dazu, auch den Hintern von der Couch bewegen. 😊 (Batin Mumcu für www.berlinerweinpilot.de)


Romana Echensperger | Master of Wine | Portrait

Nach Stationen als Chef Sommelière in verschiedenen Spitzenrestaurants machte sich Romana Echensperger 2011 selbständig. Dabei blieb Sie selbstverständlich ihrer Leidenschaft, dem Wein, treu. Heute arbeitet Frau Echensperger als Berater sowie Ausbilder für Kunden aus dem In- und Ausland. Als Weinjournalistin schreibt Sie regelmäßig für deutsche und niederländische Magazine, und hat eine eigene Weinkolumne bei den Tageszeitungen des DuMont Verlages. Für das Deutsche Wein Institut gestaltet Romana Echensperger regelmäßige Workshops über die vielen Facetten des Deutschen Weines.

Das Buch von Romana Echensperger “Von der Freiheit den richtigen Wein zu machen” ist im Westend Verlag erschienen.

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