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Lugana Tasting

Lugana DOC

Exclusive – Wine – Tasting – Berlin

 

 Impressionen

(Text: Christophe Piper; Bilder: Batin Mumcu)

Lugana: jenseits Mainstreams!

Foto: Batin Mumcu

Als ich in Geisenheim die Schulbank für den ‘Weinakademiker’ drückte, gab es einen Kommilitonen aus München, dem selbst als erfahrener Sommelier schnell der Ruf des ‘Lugana-Experten’ anhaftete. Böse Zungen behaupten sogar, dass die DOC Lugana eine rein Münchener-Erfindung sei!

So war ich doch sehr verwundert, als mir Anfang des Jahres eine Anfrage für eine Lugana-Masterclass in meine Emails flatterte. Berlin, die Stadt in der man doch nur noch mit autochthonen Orange-Weinen aus 8-stufigen Soleras punkten kann?! Aber schnell siegte der legendäre italienische Charme und der Berliner Weinpilot sorgte spontan für die perfekte Umsetzung. So trafen wir an einem heißen Mai-Nachmittag im, übrigens hervorragenden, Restaurant ‘Gärtnerei’ in der Torstraße auf Luca Formentini, den Präsidenten der DOC Lugana und Besitzer des Weinguts Selva Capuzza. An seiner Seite der unfassbar lässige Carlo Veronese, Dirketor des Consorzio Tutela Lugana.

Anna Wierer Live (Foto: Batin Mumcu)

Foto: Batin Mumcu

Wein muss verkostet werden: So möchte ich hier meine Eindrücke der nachmittäglichen Vorab-Probe wiedergeben. Der erste Wein machte mir direkt klar, dass dieser Abend mein Verständnis für Lugana nachhaltig verändern sollte. Denn der biozertifizierte ‘Pasini San Giovanni Lugana 2017’ glänzte durch einen unglaublichen straffen Körper, stringente Zitrusfrucht und eine Riesling-würdige Säure. Wow! Was für ein erfrischendes Opening! Darauf folgte wieder ein Biowein: ‘La Perla 2017’ von La Perla del Garda. Etwas sanfter in der Säure, etwas runder und insgesamt eher von Kräutern wie Thymian und Salbei geprägt, was wie man mir sagte daran liegt, dass der Wein vom südlichsten Rand der DOC stammt, wo alluviale Kiesböden vorherrschen. Ein sehr gefälliger Wein, der vollkommen in das gängige Lugana-Schema passt.

Foto: Batin Mumcu

Foto: Batin Mumcu

Foto: Batin Mumcu

Da sprach der ‘Cemento 2016’ von Marangona schon eine andere Sprache: im neuen Beton lange auf der Feinhefe gereift, bestimmten hier Zitronenöl, pink Grapefruit und geröstete Haselnuss das Bouquet. Am Gaumen zeigte sich dieser Lugana extrem dick, beinahe salzig und mit viel Schmelz, der die präsente Säure durchaus zu beherrschen wusste. Die Lavendelnote im Nachhall machte das lange Finale zum Vergnügen.

Foto: Batin Mumcu

Foto: Batin Mumcu

La Morette zeigte sich mit dem ‘Benedictus 2016’ in einem ganz anderen Licht. Im großen Holzfass fermentiert, strotzte dieser Wein nur so vor Pfirisch, Süßkirsche, Limette, begleitet von etwas harzigem Holz. Am Gaumen eine straffe Säure und dann wieder diese unglaubliche Kirschfrucht, die mich unweigerlich an einen Rotwein erinnerte. Der Einwand gefiel Carlo, der mir bescheinigte, dass schon Luigi Veronelli immer der Ansicht war, dass hochwertiger Lugana als einer der wenigen Weißweine an Rotwein-Aromen wie der Kirsche zu erkennen ist.

Foto: Batin Mumcu

Der Lugana Superiore 2015 von ‘Antico Vigneto’ schlug dann aber noch ein ganz anderes Kapitel auf. Denn hier begegnen wir den 5 % der Lugana-Weine, die den Premium-Kategorien ‘Superiore’ und ‘Riserva’ angehören. Mit dem ‘Antico Vigneto’ haben wir es mit einer echten Spätlese zu tun. Denn die Trauben wurden erst Anfang November gelesen. Dennoch kommt der Wein ganz ohne Botrytis aus und überrascht mit sanften Rosinen- und Karamellaromen. Ohne dabei auf die typische Mineralität und eine rassige Säure zu verzichten.

Foto: Batin Mumcu

Foto: Batin Mumcu

Foto: Batin Mumcu

Natürlich durfte auch ein Wein unseres Presidente Luca nicht fehlen. Als Visitenkarte seines Weinguts Selva Capuzza stellte er den Lugana Riserva ‘Menasasso’ 2013 auf den Tisch. Was ein Wein! Zum Teil in neuem Holz fermentiert und den Riserva-Regeln folgend über zwei Jahre ausgebaut, beeindruckte zunächst das Bouquet mit Zitronat, frischem Zedernholz, mediterranen Kräutern, etwas Safran, und Karamell. Am Gaumen wieder die typische charaktervolle Säure, viel Zitrus und eine unglaubliche Extrakt-Dichte mit einem bezaubernden Finale mit viel frischem zerbissenen Traubenkern. Genialer Wein, der mühelos in der burgundischen Liga räubern kann. Und das zum Preis eines echten Sonderangebotes.

Foto: Batin Mumcu

Foto: Batin Mumcu

Foto: Batin Mumcu

Last but not Least gab es noch ein Mitbringsel aus dem Jahre 1999. Bei diesem Lugana Annata Storica von Ca’Lojera handelte es sich um einen Fund, der vor kurzem in einem abgelegenen Teil des Kellers gemacht wurde. Man traute dem Wein nicht mehr viel zu, öffnete aber doch eine Flasche und staunte nicht schlecht! Und das taten wir auch. Denn mein Liebling des Abends war keine Spur müde und immer noch mit einer unglaublich lebhaften Aromen-Komplexität gesegnet: Akazienhonig, Bienenwachs, getrocknete Feigen und Datteln sowie etwas Orangeat in der Nase. Am Gaumen wieder eine frische Säure und ein dezenter Madeira-Ton, der von Honig und etwas Ricola Kräuterzucker umspielt wurde. Klasse!

Verena Team Gärtnerei (Foto: Batin Mumcu)

Foto: Batin Mumcu

Nicht vergessen möchte ich den Aperitif, der den Gästen zur Begrüßung gereicht wurde: Lugana Brut von Zenato. Ein absolut seriöser Methodo Classico mit 36 Monaten Hefelager, bei dem man auch den restlichen Abend hätte verbringen können. Spitze!

Und das war auch die Quintessenz des Abends. Lugana ist nicht einfach nur ein erfrischender Sommerwein. Denn in seiner Güte, besonders als Superiore und Riserva, schlummert ein geniales Entwicklungspotenzial, das den Lugana zu einer wirklichen spannenden Entdeckung unter den hochklassigen aber beileibe nicht hochpreisigen Weinen macht. Zur weiteren Vertiefung sei die Seite des Consorzio empfohlen, die keine Detailfrage über die DOC offen lässt.

Team Gärtnerei (Foto: Batin Mumcu)

Foto: Batin Mumcu

Besonders bedanken möchte ich mich bei unseren Gastgebern für diesen wunderbaren Abend bedanken: Bernhard Hötzl und seines formidablen Teams in Küche und Service zauberten ein Menü auf den Tisch, dass den dazu servierten Weinen alle Ehre machte!

Foto: Batin Mumcu

 

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